ADSL Speed

Unter dem Begriff T-DSL (Telekom Digital Service Line) faßt die Deutsche Telekom verschiedene Techniken zusammen, die ab diesem Jahr die Übertragung von Daten revolutionieren sollen

Telekommunikation ist mehr als nur Telefonieren. Viele Unternehmen haben bereits entdeckt, daß gerade mobile Mitarbeiter sehr zu einem guten Umsatzergebnis beitragen können. Ausgerüstet mit einem tragbaren Computer treffen sie Entscheidungen beim Kunden vor Ort, stets verbunden mit dem Zentralrechner der Firma über eine Telefonleitung.

Auch das sogenannte Home-Office wird immer beliebter. Eine zentrale Rolle spielt dabei der enge Kontakt der Mitarbeiter zum Unternehmen. So lassen sich Besprechungen mit Hilfe von Telekommunikationseinrichtungen erledigen. Über Videokonferenzsysteme werden die Teilnehmer zusammengeschaltet, zeitaufwendige und teure Fahrten zu einem Treffpunkt können entfallen. Aber auch andere multimediale Inhalte wollen über die Datenleitungen transportiert werden: Grafiken und Schaubilder etwa, die komplexe Zusammenhänge verdeutlichen helfen. Und nicht zuletzt die Internetseiten haben sich in den letzten Monaten von einer rein funktionalen Darstellung zu einer bunten und tönenden Erlebniswelt gewandelt.

Datenstau durch Multimedia
Die Auswirkungen dieser Entwicklung haben jedoch nicht nur Vorteile: Durch die gesteigerten Datenmengen kommt es immer wieder zu Wartezeiten bei der Übertragung. Die meisten Unternehmen sind mittlerweile auf ISDN umgestiegen. Mit immerhin 64 KBit pro Sekunde gehen die Daten auf den Weg vom Absender zum Empfänger. 3 Megabyte benötigen damit ungefähr 6 Minuten, mit einem 28,8er Modem sind es sogar 14 Minuten. Wenn es nach dem Willen der Deutschen Telekom geht, wird diese Zeit schon bald auf ganze 3 Sekunden schrumpfen – ADSL macht’s möglich.

Die Abkürzung ADSL steht für Asymmetric Digital Subscriber Line, die Bezeichnung macht bereits deutlich, daß die Übertragungsraten zwischen Netzvermittlungsstelle und Teilnehmer unterschiedlich sind. Während die Daten ihren Weg zum Teilnehmer (Downstream) mit einer Rate von bis zu 8 Megabit pro Sekunde antreten, ergibt sich die Asymmetrie daraus, daß der umgekehrte Weg (Upstream) lediglich mit bis zu 768 Kilobit pro Sekunde möglich sein wird. Der Grund: Die meisten Anwender laden mehr Dateien aus einem Netzwerk, als sie an das Netzwerk absenden.

Nur Kupferleitungen nötig
Besonderer Vorteil von ADSL ist, daß die bisherige Infrastruktur der Telekom verwendet werden kann. Zur Übertragung werden die Kupferdoppeladern genutzt, über die auch normale Telefongespräche abgewickelt werden. Auf Seiten des Netzbetreibers und am PC des Anwenders kommen ADSL-Modems zum Einsatz. Wichtigster Baustein darin ist der Splitter, der bei der Übertragung die Telefonsignale und den Datenstrom trennt. Die Modems verfügen zudem über einen eigenen Rechner, der die ankommenden Datenpakete zusammensetzt und für den angeschlossenen Computer aufbereitet.

Seit Juni 1998 konnten die 450 Teilnehmer eines Pilotprojektes in Düsseldorf, Köln, Bonn und Dortmund die Vorzüge des neuen Systems testen. Zusätzlich waren in Kooperation mit der Siemens AG sowie NEC ca.100 Studenten der Universität Münster und 50 Studenten und Mitarbeiter der RWTH Aachen in das Projekt eingebunden.

1999 sollen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Bonn, Frankfurt, Stuttgart und München ADSL-Anschlüsse aufgebaut werden. Bis Ende des Jahres 1999 soll die T-DSL-Technik in Netzknoten von 43 Kommunen zur Verfügung stehen. Die Telekom möchte schnell ein „breites Kundenpotential“ erreichen, bis zum Jahr 2003 sollen 75 Ortsnetze über ADSL-Anschlüsse verfügen, die Telekom spricht von einer weitgehenden Versorgung der Kerngebiete bis zu diesem Zeitpunkt.

Alternative „Light“-Version
Schwierigkeiten bereitet den Verantwortlichen jedoch ein Trend, der sich in den USA abzeichnet. Dort verzichten die Anbieter auf den Splitter, zum Einsatz soll ADSL „light“ kommen, das sich als Standard etablieren könnte. Diese Variante bietet im Downstream jedoch höchstens eine Übertragungsrate von 1,5 Megabit pro Sekunde. Vorteil: Das Verfahren ist billiger und läßt sich schneller realisieren. Die Telekom kontert und betont, daß gerade Deutschland für den Einsatz der schnelleren Version prädestiniert ist: Die Geschwindigkeit ist direkt abhängig von der Länge der Kupferdoppeladern zwischen Vermittlungsstelle und Teilnehmer.

Die durchschnittliche Länge beträgt in Deutschland rund 2 Kilometer, in den USA jedoch 4,5 Kilometer. Durch die kurze Distanz soll bei uns sogar VDSL (Very High Data Rate Digital Subscriber Line) zum Einsatz kommen können. Unter der Voraussetzung, daß der Abstand vom Teilnehmer zur Vermittlungsstelle nur wenige hundert Meter beträgt oder über einen Lichtwellenleiter realisiert ist, werden Übertragungsraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde erreicht.

Varianten für jeden Zweck
Eine weitere Variante ist HDSL (High Data Rate Digital Subscriber Line). Über zwei Kupferdoppeladern läßt sich damit sowohl für Downstream als auch für Upstream eine Datenübertragungsrate von jeweils zwei Megabit pro Sekunde erreichen. Sie ist dann geeignet, wenn der Anwender eine große Anzahl Daten in Richtung Netzbetreiber übermitteln muß.
Größte Sorge bereitet den Telekom-Oberen jedoch die Frage der Kunden, ob ISDN (Integrated Services Digital Network) durch ADSL überflüssig wird. Die richtige Antwort darauf ist abhängig davon, wie die angebotene Technik eingesetzt wird.

ISDN stellt in erster Linie zusätzliche Merkmale für die Telekommunikation bereit. Dazu gehört das Makeln von Telefongesprächen, die Anzeige der Rufnummer oder die Dreierkonferenz. Daneben bietet ISDN eine gegenüber analogen Leitungen gesteigerte Übertragungsrate. Dieser Geschwindigkeitsvorteil gegenüber dem analogen Leitungsnetz kommt insbesondere den Kunden entgegen, die ihren PC für den Internetzugang nutzen. ADSL dagegen beschränkt sich auf die hohe Übertragungsleistung beim Transfer von Daten. Wer lediglich diesen Vorteil nutzen will, kann auf ADSL umsteigen, er benötigt ISDN nicht mehr. Jeder Teilnehmer, der die ISDN-Merkmale nutzt, kann ADSL zusätzlich für den reinen Datentransport einsetzen. Unternehmen werden von der zweiten Möglichkeit Gebrauch machen. Gerade im geschäftlichen Bereich hat sich ISDN durchgesetzt, Gespräche lassen sich damit vom Büroanschluß auf das Handy weiterleiten. Die Kombination mit ADSL verspricht die größtmögliche Flexibilität bei der Nutzung der Telekommunikationseinrichtungen.

Preis offen
Die Preisfrage ist bisher nicht endgültig geklärt. Die Teilnehmer am Pilotprojekt haben für einen Privatkundenanschluß einen Grundpreis von 48 Mark gezahlt. Dazu kommt ein Minutenpreis von 10 Pfennigen. Anläßlich eines Hintergrundgespräches sprach Gerd Tenzer, Vorstand Technik Netze der Deutschen Telekom, davon, daß sich die Telekom „eine Größenordnung von 100 Mark monatlich vorstellen kann, wobei das darin enthaltene monatliche Grundentgelt ca. 50 Mark betragen dürfte.“

Denkbar ist, daß die Telekom den Preis an der Datentransferrate ausrichten wird. Privatkunden werden dynamische Internetadressen zugewiesen bekommen, die bei jeder Anwahl neu vergeben werden. Die Transferrate liegt in diesem Fall bei 1,5 MBit/s. Unternehmen können feste Internetadressen erhalten, zahlen dafür mehr und können die gesamte Bandbreite bis 8 MBit/s ausnutzen.

Unternehmen werden zukünftig kaum an ADSL vorbeikommen. Schulungen und Beratungen könnten über ADSL angeboten werden, da sich Videobilder über die Telefonleitungen übertragen lassen. Die Telekom spricht sogar vom Business-TV, das mit ADSL realisiert werden kann. Der Blick in die USA zeigt, wohin der Trend führen wird: Im Januar dieses Jahres träumte Bill Gates auf der Montgomery Security Conference in San Francisco von einer Web-TV-Box, die über ADSL mit dem Internet verbunden ist. Das Internet dient damit als Grundlage weltweiter multimedialer Kommunikation auf hohem Niveau, der Datenstau auf dem Infohighway könnte mit ADSL überwunden werden. ( ok )